schein         

am abend schließ ich sehnsuchtsvoll die lider
stürze mich in eine heile, alte welt,
wo man weich und wohlgeschützt zu boden fällt
auf tiefstes, ruhigstes kissen sink ich nieder

hier gibt es keinen herbst, kein siechendes laub
hier hört man alte vögel schöner singen
hier hört man echten bach nach wasser klingen
er ist echt, denn er ist blind und er ist taub

doch es bleibt mir stets nur kurzes domizil
und wenn zuletzt der besiegte wieder siegt
und zu früh gekränzter sieger unten liegt
kehrt der tod zurück in mich aus dem exil

ich werd den morgen niemals wieder sehen,
nur weil uhrenzeiger ich zurückgedreht
auf flehenden lippen ein letztes gebet
dann holen sie mich sehnsuchtsvoll, die krähen

Johannes Braun