Im Traum erschien mein Genius. Er zeigte
Ein großes Füllhorn mir und sprach: Darin
Ruht deiner Zukunft Schaden und Gewinn.
Nun wähle schwere Tage oder leichte!
 
Und aus dem Horne schüttete er seichte,
Bescheidne Freuden, muntern Tagessinn;
Dann schleudert’ er die strengsten Leiden hin,
Und Schmerzen sah ich, die kein Wort erreichte.
 
Und milde sprach mein Genius: So wähle!
Doch mich ergriff ein ungeheures Ängsten,
Und aus des Herzens Tiefen, aus den bängsten,
 
Rief laut, daß ich erwachte, meine Seele:
Gib andern, die sie mögen, solche Freuden!
Mir gib die heil’gen Schmerzen, gib die Leiden!

Karl Leberecht Immermann