Die Klage (1944)
 
Nun geht der Jammer
Die Not, die Schande
Durch Haus und Kammer,   
Durch Markt und Lande;
 
Zerbricht die Städte,
Die klugerbauten,
Ruhm, Ränk und Räte,
Darauf, wir trauten.
 
In Graus und Aschen,
Vom Strahl getroffen,
Das frevle Haschen,
Das dreiste Hoffen.
 
Nun müsst ihr tragen,
Was andre litten,
Verlorne Klagen,
Verworfne Bitten,
 
Verfehltes Lieben,
Verwirkte Treue,
Der nichts geblieben
Als Schmach und Reue
 
Vergebnen Grämens,
Das keiner segnet,
Voll stummen Schämens,
Dem Zorn begegnet.
 
Wir wurden Meister
Und blieben Toren,
Die Höllengeister
Ans Licht beschworen;   
 
 
 
Der Trotz wollt's wenden
Mit Lug und Truge
Und muss doch enden
Nach Recht und Fuge.
 
Das freche Prahlen
Des Übermutes,
Geseufz und Qualen
Vergossnen Blutes,
 
Geschrei und Zähren,
Ihr müsst sie gelten;
Da frommt kein Wehren,
Da hilft kein Schelten.
 
Wo wollt ihr hausen?
Wo wollt ihr hinnen?
Habt Hasser draussen
Und Henker drinnen,
 
Da Burg und Bürger
Sich nichts mehr bürget,
Der Mord den Würger
Im Nacken würget.
 
Verstrickt im Knäuel
Der Schadenfrone,
Dir selbst zum Greuel,
Der Welt zum Hohne,
 
Sieh all das Deine
Ins Elend wandern.
Ja, Deutschland, weine,
Ja, lacht, ihr andern!

Rudolf Alexander Schröder