Der Millionär

"Hier möcht ich wohnen!" rief ein Millionär
Und brachte seine Familie her.
Ein freies Aussichtplätzchen sucht er aus
Und baute sich ein pompejanisch Haus.
 
Die Eingebornen wussten wohl zu schätzen
Den werten Gast; denn jeder wollt ihn pfetzen.
Der Architekt vor allem, laut Vertrag,
Stahl ihm zweihunderttausend Mark mit einem Schlag.
Dann, um den Handel etwas auszugleichen,
Liess er ihm eine Zuschlagsrechnung überreichen,
Die forderte nachträglich ungezwungen
Zweiundeinhalbmal mehr als ausbedungen.
Der Gärtner, bei der passenden Gelegenheit,
Fand sich zu jedem Dienste gern bereit,
"Verfaulter Flor? verdorrte Bäumchen? Was Sie nur befehlen,
Gnädiger Herr, Sie brauchen bloss zu wählen."
Vom Milcher bis zum Metzger schnitt
Ein jeder seinen saftigen Profit.
Die Nachbarn links und rechts indessen
Versüssten ihm das Dasein mit Prozessen.
Und als er endlich, alles wohl erwogen,
Fluchend mit Weib und Kind davon gezogen,
Nackter
als Adam vor dem Fall: "Ein schwieriger Charakter!"
Munkten die Frommen:
"Nicht auszukommen!"
 
Carl Spitteler